Montag, 21.05.2018 12:30 Uhr

Kuckucksuhren und Schwarzwaldadler

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN / Belgien, 14.05.2018, 13:59 Uhr
Presse-Ressort von: Edgar Hungs Bericht 1701x gelesen
Ausblick vom Hochfirst auf Titisee
Ausblick vom Hochfirst auf Titisee   Bild: Edgar Hungs

EUPEN / Belgien [ENA] Wer je den Schwarzwald erlebt hat, weiß wie vielfältig und abwechslungsreich seine einzigartige Landschaft ist. Premiumwanderwege und Genießerpfade führen entlang architektonischer Baukultur und wildromantischen Landschaften: Schluchten, tiefe Täler und dichte Wälder.

Die Region rund um den Hochschwarzwald bietet beeindruckte Wanderziele. Und liebevolle Menschen. Wir sind über Ostern zu Gast auf dem Campingplatz Bankenhof in Hinterzarten am Titisee. Nur 20 Minuten Fahrzeit entfernt liegt der Feldberg. In diesen Tagen schmückt der Schnee noch die Gipfelregion zur Freude der Wintersportler. Doch auch dieses Vergnügen geht bald zu Ende. Die Sonne schickt schon ihre warmen Strahlen. Mit der Gästekarte dürfen wir kostenlos Bus und Bahn benutzen. Nur unser Jack Russell Nelly muss den Kindertarif zahlen. Treu begleitet sie uns auf allen Wanderungen. Jeden Tag auf Schusters Rappen über die gut markierten Wanderwege.

Eine Wanderkarte mit den Wegepunkten ist ein gutes Hilfsmittel, sicher und stressfrei die herrliche Umgebung des Hochschwarzwaldes zu erkunden. In den Tälern hat der Frühling Einzug gehalten. Trotz niedriger Temperaturen erfreuen die ersten Boten am Wegesrand und sind ein unverkennbares Zeichen, dass eine neue Jahreszeit anbricht. Von unserem Platz sind wir nach 200 m direkt am Titisee. Die Uferpromenade führt uns in die nahegelegene Ortschaft Titisee-Neustadt. Aus einer reizvollen Wald- und Wiesenlandschaft kommend trifft man auf die harte touristische Wirk-lichkeit.

Geschäfte und Läden mit Kuckucksuhren, Schwarzwälder Schinken, Kirschwasser und natürlich die entsprechende Kirschtorte lassen die Kassen an der Seepromenade klingen. Purer Kommerz, aber der gehört dazu. Pflichtprogramm für jeden Urlauber. Es mag sein, dass hier zwei Welten aufeinandertreffen: ein-same Wanderwege und -pfade und der vielbegangene Seeuferweg mit der pulsierenden Geschäftspromenade. Doch lässt sich auch hier Ruhe finden: Frühmorgens nach Sonnenaufgang, wenn der Titisee seinen eigenen kristallklaren Zauber entfaltet.

Nur das Vogelgezwitscher ist ein ständiger Begleiter auf unserem Weg zum Hochfirst (1190 m). Knackig geht es bergauf durch eine vom Menschen gestalte-te Kulturlandschaft. Seitdem die Bauern die Hochweiden aufgegeben haben, rückt der Wald weiter ins Tal vor. Doch sie hat nichts von ihrer Schönheit, Eigen-art und Vielfalt verloren. Eichhörnchen überqueren den Weg. Oben angekommen, werden wir mit einer großartigen Aussicht auf den Titisee und die Ortschaften belohnt. In der Ferne der Feldberg und die Silhouetten der Schweizer Berge. Zeit für ein Pausenbrot aus dem Rucksack.

Als eine akrobatische Herausforderung stellt sich die Wanderung vom Feldberg zu unserem Campingplatz heraus. Während auf den bereits vereisten Pisten sich die letzten hartnäckigen Wintersportfreunde einfinden und das Winterfinale einläuten, starten wir an der Talstation der Feldbergbahn auf rund 1300 m. Gut beschildert geht es bereits nach den ersten Metern einen schmalen, unwegsamen und abenteuerlichen Pfad hinunter Richtung Bärental. Dort befindet sich der höchstgelegene Bahnhof auf dem bundesdeutschen Schienennetz. Der Abstieg liegt auf der Schattenseite des Abhangs. Fußtritte auf dem verschneiten und vereisten Weg zeigen, dass hier schon Wanderer vor uns unterwegs waren.

Trotzdem ist Vorsicht angezeigt. Der Steig schlängelt sich bis zum Raimartihof. Am Feldsee stoßen wir auf den Feldbergsteig. Ab hier geht es nun entspannt aus dem Schnee in die grünen Wiesen über. In der Talebene begrüßt uns die Sonne. Gerade richtig, auf den Terrassen des Berggasthofes eine Rast einzulegen. Den Rest der Wanderung legen wir über gut befestigte Wege zurück. Spuren des Sturmtiefs ‚Frederike‘ zwingen uns, vom ursprünglichen Weg abzuweichen. Trotzdem verliert sich keineswegs der Charme und der Naturreichtum des Hochschwarzwaldes.

Vielfach treffen wir noch intakte und bewirtschaftete Höfe an. Das Zentrum bildet das Hofgebäude im Stil des Schwarzwaldhauses. Wie eine Kapuze deckt das mächtige Walmdach das Haus ab und schützt somit Mensch und Tier vor Wind und Wetter. Eine kleine Hofkapelle liegt in unmittelbarer Nähe zu den Gebäuden. Da lohnt es sich, einmal einen Blick ins Innere zu werfen. Ein Kleinod christlichen Glaubens, gepflegt und behütet. Stille sakrale Kunstbauten.

Hinterzarten ist bekannt für seinen Wintersport und als Olympiastützpunkt anerkannt. Hier kommen Skispringer und Nordisch Kombinierer regelmäßig an die Hochfirstschanze und ins Adler-Stadion zu Trainingseinheiten und zu den einzelnen nationalen und internationalen Wettbewerben. Noch bedeckt teilweise der Schnee die Matten der vier Sprungschanzen. Das Stadion erholt sich von den Wintermonaten. Aber bald geht es mit den Sommerspringen weiter. Denn seit 1981 verfügt die Anlage über einen entsprechenden Bodenbelag. Nur vereinzelte Wanderer verlaufen sich unterhalb der beeindruckenden Rothaus-Schanze, wo einst die als ‚Schwarzwaldadler‘ bezeichneten Skispringer Martin Schmitt und Sven Hannawald große Erfolge feierten.

Diesmal haben wir den Kuckucksruf nur aus der Uhr hören können. Hinter seiner Klappe im Gehäuse tritt er stündlich zum akustischen Signal seinen Dienst an. Er zählt die vollen Stunden. Ein mechanisches Konzert in den Geschäften. Nur wenige Schritte weiter eröffnet der Titisee seine wirkliche landschaftliche Pracht. Auch in der Übergangszeit von Winter zum Frühling gibt es viel zu betrachten und bestaunen. Und bald ertönt dann auch wieder der Kuckucksruf aus seiner natürlichen Umgebung.

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