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„Frieden ist wie Feuer, ….

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN (Belgien), 13.11.2017, 10:03 Uhr
Presse-Ressort von: Edgar Hungs Bericht 4927x gelesen
Vollbesetzt war der Plenarsaal des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens
Vollbesetzt war der Plenarsaal des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens  Bild: Edgar Hungs

EUPEN (Belgien) [ENA] .…, dass man vor dem Erlöschen bewahren muss. Sonst kann es sehr kalt werden.“. Mit diesen Worten begrüßte Parlamentspräsident Alexander Miesen (Liberale Partei PFF) die zahlreichen Gäste auf der ‚Matinée' im Plenarsaal des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens‘ in Eupen (Belgien).

Der Fokus der Veranstaltung im Rahmen des Bürgerdialoges lag auf die Erfahrungen und Erinnerungen an die gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges. Gleichzeitig wurde die Ausstellung „Setzt mir einen Stein in der Heimat“ eröffnet. Dieser Satz stammte aus dem Abschiedsbrief des Soldaten Heinrich Margraff (Recht, Belgien) im Frühjahr 1918 an seine Ehefrau und seinen Eltern. Darin ordnete der Verstorbene an, ihm in seinem heimischen Garten ein Denkmal aus Stein zu errichten.

Heimat ist ein edler Begriff in der heutigen Zeit Unter den Anwesenden waren sehr viele Jugendliche. Die Erinnerungskultur an die schrecklichen Ereignisse vor 100 Jahren erweckt auch in der heutigen Generation großes Interesse. Heimat ist ein edler Begriff in der heutigen Zeit, wo Populismus und Terror die Welt aus ihren Fugen hebt. Die Verlusterfahrungen der Eltern, Ehefrauen und Geschwister, ihre Einzelschicksale und der Umgang im täglichen Leben sind für alle überall gleich.

Der Roman ‚Golgatha‘ des Eupener Schriftstellers Peter Schmitz schildert die Unmenschlichkeit des Kriegsirrsinns. Die durchlebten Schlachten machten aus ihm einen radikalen Kriegsgegner. Im Kriegsroman spielt der Pazifismus eine wichtige Rolle für die Sinndeutung der regionalen Identitätsfindung. Die Ausstellung konzentriert sich auf das Gebiet Eupen-Malmedy. Anhand persönlicher Dokumente und statistischer Daten geben die Bildtafeln Aufschluss über das Leben und Sterben ostbelgischer und Aachener Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges. Aber auch die Hinterbliebenen und deren Erfahrungen werden thematisiert.

Quellensplitter Für die Leiterin des Staatsarchivs Els Herrebout haben die persönlichen Zeugnisse der Geschehnisse zum Leben und Sterben zwischen 1914 – 1918 einen hohen geschichtlichen Wert. Sie ergänzen die empirischen Erhebungen und vorliegenden Daten über die 9700 rekrutierten und über 1500 gefallenen ostbelgischen Soldaten. Herrebout nennt diese Quellensplitter. Dieselben sind in der Ausstellung farblich gekennzeichnet. Sie sind immer nur ein Teil eines Gesamtwerkes, das ständig ergänzt und nie vollendet sein wird. Exemplarisch werden 18 Gefallene genauer vorgestellt.

Gedenkinitiativen basierten auf religiöse Gründe Der ostbelgische Historiker Max Neumann (Jahrgang 1992) stellte in einem Gespräch mit Peter Quadflieg die Ergebnisse seiner jüngsten Recherchen vor. In seiner Abschlussarbeit an der Uni Neu-Löwen „Gestorben für das Vaterland“ beschreibt Neumann die Kriegsdenkmäler zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs in den Kantonen Eupen, Malmedy und St. Vith. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf die Frage, ob diese zwischen 1918 und 1940 errichteten Monumente einerseits die Erinnerungskultur und andererseits den Identitätskonflikt der Ostkantone der Zwischenkriegszeit wiederspiegeln.

Die Arbeit versucht anhand der Analyse der Lokalpresse sowie der Kommunal- und Pfarrarchive, die Besonderheiten des kollektiven Gedächtnisses der Ostkantone zwischen den beiden Weltkriegen vorzustellen. Sie unterbreitet ein möglichst vollständiges Bild des Erinnerungsdiskurses Eupen-Malmedys. Insgesamt konnte Neumann 109 Denkmäler inventarisieren, wovon aber nur noch 66 erhalten sind. Diese haben überwiegend einen katholischen Charakter und befinden sich auf den Friedhöfen oder im Umfeld der Kirchen und Kapellen.

Mit lateinischen Inschriften wurde ein Sprachenkonflikt umgangen Inwieweit kann im Belgien der Zwischenkriegszeit der Tod ehemals deutscher Soldaten aus unserer Gegend patriotisch erklärt werden? Während die Devise „mort pour la Patrie (belge)“ die Gefühle der Neu-Belgier der damaligen Zeit nicht widerspiegelt, wird ein „Gefallenen für das (deutsche) Vaterland“ vom belgischen Staat nicht erlaubt. Die Bevölkerung spaltete sich in den Überlegungen, ein Denkmal für Soldaten in Belgien aufzustellen, die gegen Belgien gekämpft haben. Deshalb wurde dies mit der einfachen Bezeichnung ‚Vaterland‘ (ohne Nationsangabe) oder ‚Heimat‘ umschrieben und somit ein Konflikt umgangen.

Die Ausstellung ist noch im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft bis 1. Dezember 2017 zu besichtigen. Die Arbeit von Neumann ist zum Preise von 20,00 EUR im Staatsarchiv in Eupen erhältlich.

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