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Kultstatus St. Nikolaus

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN (Belgien), 14.12.2017, 14:49 Uhr
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Der St. Nikolaus besucht Kinder in Ostbelgien
Der St. Nikolaus besucht Kinder in Ostbelgien  Bild: Edgar Hungs

EUPEN (Belgien) [ENA] Die Advents- und Weihnachtszeit zählen traditionell zu der stillsten und ruhigsten Zeit im immer kehrenden Jahreskreislauf. Es ist die Jahreszeit, an denen die Tage kürzer werden und folglich es früher dunkel wird. Lichter sollen diese Dunkelheit durchbrechen.

Weihnachtsbeleuchtungen all überall, in den Straßen, Geschäften, Kaufhäuser und in den Privatwohnungen. Sie sollten die Menschen an das Licht der Weihnachtsbotschaft erinnern. Für die heutige Gesellschaft ist dies kaum nachvollziehbar, wird sie in den Einkaufszentren förmlich von Musik und Weihnachtslieder übersättigt. Bereits ab Mitte November beginnt das ganze Spektakel, um unter den Konsumenten eine vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten.

Die Disharmonie zwischen der Umgebungsmusik und der kommunikationslosen „Wischergesellschaft“ (Handy, iPhone, Tablett, …) ist gerade in der Zeit der Jahresendfeste deutlich sichtbar oder nicht spürbar wie sonst während des ganzen Jahres. Da braucht es schon Veranstaltungen oder Personen, die eine besinnliche ‚Reduzierung‘ auf den tieferen Sinn des Brauchtums beitragen. Dass dies nicht lautlos erfolgt, ist wohl eine Folge unserer Gesellschaft. Tradition mit der Zukunft verbinden stellt auch das Brauchtum um die Advents- und Weihnachtszeit in der Zeit der Digitalisierung vor weiteren Herausforderungen.

Da kommt der erste Bote der Adventszeit gerade recht. Der Bischof von Myra ist einer der wichtigsten und beliebtesten Kirchenheiligen der gesamten Christenheit. Auslöser dieses Brauchtums ist die Person des Hl. Nikolaus, die seit dem 6. Jahrhundert in verschiedenen Legenden auftaucht. Die neuesten Forschungen und verschiedene Textanalytiker haben jedoch festgestellt, dass der legendäre St. Nikolaus ein Zusammenführen des Wirkens zweier historischen Kirchenmänner ist: dem aus Kleinasien stammenden Bischof Nikolaus von Myra (4. Jahrhundert) und dem gleichnamigen Abt von Sion (Bischof von Pinora), der im 6. Jahrhundert lebte. Aus diesen Personen entwickelte sich die in den Legenden vorkommende Figur des wundertätigen Hl. Nikolaus.

Tatsache bleibt, dass dieser Heilige in verschiedenen Konfessionen verehrt wird. In vielen Regionen wird er als Gabenbringer gefeiert. Denn am Vorabend setzen die Kinder ihre Schuhe und Stiefel ans Fenster, damit der Nikolaus sie in der Nacht vor seinem Namenstag beschenken kann. Gleichzeitig hat der Hl. Mann ein großes Patronat, gilt er doch als gütig und Helfer in der Not. Dagegen gilt der Weihnachtsmann als Symbolfigur konsumorientierten Schenkens. Im Gegensatz zum Bischof Nikolaus tritt dieser bis zum 24. Dezember im roten Gewand mit weißem Pelz, Zipfelmütze und Rauschebart auf. Nicht der Bischofstab ist sein Attribut, sondern die Rute.

Der heute geläufige Weihnachtsmann geht wahrscheinlich auf die massenwirksame Coca-Cola Werbekampagne 1931 zurück, obwohl er bereits 1831 in einem amerikanischen Gedicht erwähnt wurde. Die Begleiter des Hl. Nikolaus in ihren vielfältigen Ausdrucksformen haben eindeutig einen heidnischen Ursprung. Als bösartig geltende Dämonen verdrängen sie oft den Heiligen in die 2. Reihe. Sie haben überhaupt nichts mit der Legendengestalt zu tun. Vielmehr als Brauchtumsfigur sind sie als Gehilfen des Nikolaus bekannt. Wahrscheinlich wurden sie ab dem Spätmittelalter als negativer Gegenpol dem Nikolaus zugeordnet.

Der ‚Kinderschreck‘ wurde im letzten Jahrhundert immer mehr regional angepasst. So erscheint der ‚Hans Muff‘ meistens zu mehreren, oft brummig, manchmal kinderfreundlich. Glocke und Sack gehören zu ihm wie auch die Ketten als Gürtel. Der Nikolaus hat sich den Entwicklungen der letzten Jahre anpassen müssen. So kehren seine Begleiter nicht mehr ‚nach Molenbeek‘ zurück. Politisch und aus völkerrechtlicher Verantwortung war es nicht mehr tragbar, dass die ‚dunklen Gestalten‘ nach dem ‚weltlichen Aufenthalt‘ in ein krisenerschütterndes Gebiet zurückversetzt wurden. Schon seit Jahren schwellt immer noch die Frage, ob die Begleiter weiterhin als ‚schwarze‘ Gehilfen auftreten sollten.

Verfechter des Nikolausbrauchtums sehen der Entwicklung besorgt entgegen. Der Nikolaus tritt nicht als strenger Kirchen- und Würdeträger auf, sondern als Träger eines bestimmten Amtes gegenüber unseren Kindern. Seine Verlebendigung bleibt auch in der digitalisierten Welt ein vorweihnachtliches Brauchtum in seiner Gesamtheit, nicht nur für die Kinder. Dagegen wirkt der Weihnachtsmann sich vielmehr auf das Konsumverhalten der Gesellschaft aus. Der Bischof von Myra hat Menschen in Not geholfen. In Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklungen sicherlich ein Vorbild.

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