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Ich verspüre immer noch ein Kribbeln in meinen Fingern

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN (Belgien), 25.11.2017, 15:10 Uhr
Presse-Ressort von: Edgar Hungs Bericht 4529x gelesen
Adolf Christmann und sein 1. Gemälde aus dem Jahr 1951
Adolf Christmann und sein 1. Gemälde aus dem Jahr 1951  Bild: Edgar Hungs

EUPEN (Belgien) [ENA] In diesem Jahr feierte Adolf Christmann seinen 90. Geburtstag. Anlass genug, seine Bilder und Gemälde nochmals in eine Auswahl in einer Gesamtausstellung der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese kann man noch bis zum 30.11.2017 jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr im BRF-Funkhaus besichtigen.

Der Eupener Kunstmaler zeigt Werke aus seiner Schaffenszeit zwischen 1951 und 2017. Die Stadt Eupen ehrte ihren Kunstbotschafter mit der August-Tonnar-Medaille, der höchsten Kulturauszeichnung der Stadt. Neben den zahlreichen Preise ist die ‚Goldene Feder‘ (2005) der Exprinzen der Stadt Eupen-Kettenis für Christmann eine gesellschaftliche Anerkennung seiner Heimatstadt.

Wir besuchten den Künstler auf seiner Ausstellung. Zielsicher steuert er einige Gemälde an und weiß über Entstehung und Maltechnik zu berichten. Man spürt seine Leidenschaft zur Malerei. „Es kribbelt immer noch in meinen Fingern. Ich habe das Gefühl, du musst was tun. Deshalb habe ich meinen Skizzenblock immer dabei. Dann kann ich das Wesentliche sofort festhalten.“ begeistert Christmann beim Gang durch die Ausstellung. „Manchmal genügt schon ein Kugelschreiber. Der erste Augenblick ist wichtig. Später kann ich meine Ideen und Vorstellungen einbringen.“

Der 90jährige zeichnet und malt noch regelmäßig. Es gibt kein Gebäude in Eupen, dass Christmann nicht auf einer Leinwand produziert hat. Auch manche Straßenwinkel hat er mit kräftigen warmen Farben gemalt. Immer aus seinen Blickwinken und seiner Sicht der Dinge. Für den Betrachter nicht selten ein völlig neue Perspektive. An seinen Gemälden kann man den Werdegang der Stadt verfolgen. Alle sind einmalig, manche überhaupt nicht mehr in seinem Besitz. Doch Christmann ist nicht ausschließlich auf Landschaften fokussiert. Die Menschen ziehen ihn an. Porträts sind seine heimliche Liebe. Die ersten 20 Jahre hat er mit Pinsel gemalt. Danach prägte die Spachteltechnik seinen unverkennbaren Stil.

„Noch immer werde ich mit den Gemälden aus Eupen und von meinen Reisen identifiziert. Dabei haben die Personen- und Porträtgemälde doch eine stärke Aussage- und Ausstrahlungskraft. Aber in Eupen war dies schwer zu vermitteln.“ freut sich trotzdem Christmann, dass seine Bilder in den hiesigen Wohnungen ihren Platz gefunden haben. Seine Reiseimpressionen, seine Personen, seine Musiker, aber auch seine abstrakten Gemälde zeigen das gesamte starke Talent des Eupener Malers. Neben einem seiner Lieblingsbilder hält er kurz an: „Das ist Lola, ein deutsche Dogge. Sie war eine treue Begleiterin. Heute habe ich noch 2 Hunde, womit ich täglich spazieren gehe. Bewegung muss sein.“

„Früher habe ich sehr viel Sport getrieben. Mit 16 Jahren war ich mit 6,10 m Provinzmeister im Weitsprung. Auch wenn meine Hände es nicht erahnen lassen, geboxt und gerungen habe ich auch.“ zeigt die sportliche Seite des jungen Christmann. „In Frankreich habe ich mit Acryl gemalt. Die Farbe war schnell trocken und die Bilder ließen sich schnell verkaufen.“ weiß der Künstler, dass gerade in den Anfangsjahren jeder Franken wichtig war. Weit über 1000 Zeichnungen hat Christmann mit dem Kohlestift realisiert.

D’r Chrestmanne stellt weer uut!“ Diese Ausstellung ist eine Form des Dankes an seine Heimatstadt. Auch wenn nur einige wenige Gemälde aus Eupen zu sehen sind, so geben alle ein Spiegelbild seiner Inspirationen wieder. Seine Spachteltechnik schafft nicht nur einmalige Kunstunikate. Sie zeigen eine enge liebende Beziehung zu den Menschen und ihren Orten. Ob nun der Bettler in Marokko, die Mutter mit Kind, der Akkordeonspieler oder der Töpfer bei der Arbeit, Christmann ist ihnen immer begegnet. Und dies macht den Reichtum seiner Ausstellung und seiner Bilder aus.

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